Klare Kante

Das Wohnhaus D in Mering fällt auf. Auf den ersten Blick durch seine klare Formgebung, mit der es sich von seiner Umgebungsbebauung abhebt. Und auf den zweiten Blick durch den hellen Fassadenputz, den die Fachhandwerker in traditioneller Kammzugtechnik gestalteten.

Als Gestaltungsmittel für Fassaden verfügt die Putztechnik des Kammzugs im bayerischen Schwaben über eine gewisse Tradition. „Zumindest bei besonderen Häusern ist das so. Häuser, an die man sich erinnert“, erklärt Werner Eberle vom Architekturbüro EBERLE Architekten BDA. Die historischen Bezüge aus der Zeit um 1900 findet der Architekt im unmittelbaren Umfeld seines Büros im Herzen von Augsburg an Amtsgebäuden genauso wie bei repräsentativen Bürgerhäusern. Wenn es der städtebauliche Kontext anbietet, lässt sich Eberle davon gerne inspirieren und übersetzt die Tradition in moderne Formensprache. Das von seinem Büro entworfene Haus D in Mering, kaum zehn Autominuten von Augsburg entfernt, ist daher kein gewöhnliches Einfamilienhaus, sondern eines, an das man sich – nicht zuletzt wegen seines Kammputzes – erinnert. Mit seiner klaren Kubatur – ein weißer dreigeschossiger Turm mit quadratischer Grundfläche von – setzt das im Wohngebiet markant am Kreuzungspunkt zweier Straßen gelegene Haus ein selbstbewusstes Statement.

„Wir fanden kein einfaches Grundstück vor“, erläutert Architekt Werner Eberle. Um die Straßenkreuzung zu definieren, wählten die Architekten eine Form, wie sie klarer fast nicht sein kann. Quadratische Fenster in zwei verschiedenen Größen prägen die Lochfassade. Lediglich die Türen durchbrechen dieses Raster und unterstreichen so die vertikale Grundform des Turms. Massiv zu bauen, sei für ihn und die Bauherren schnell Konsens gewesen. Monolithisches 42,5er-Ziegelmauerwerk sorgt für die Einhaltung der energetischen Vorgaben. Ein Putzaufbau mit einem komplett mineralischen System war daher an der Fassade selbstredend, denn Putz habe im bayerischen Schwaben eine Heimat, so der Architekt.

So modern das Haus D in seiner Formsprache erscheint, so traditionell gibt es sich in der Gestaltung seiner Oberflächen. Abweichend von seinen historischen Vorbildern in der Region zieht sich der Kammputz hier nicht horizontal mit leicht geschwungenen Wellen, sondern in geraden vertikalen Bahnen von der Geländeoberkante bis zum Dachabschluss. In seiner Vertikalität verstärkt der Putz die turmartige Anmutung des Hauses. Und selbstverständlich ist die vertikale Ausrichtung der Kammstruktur von der Wasserführung her günstiger angesichts des hellen Farbtons des Putzes.

Auf der Suche nach einem qualifizierten Handwerker stieß Architekt Werner Eberle über eine Empfehlung auf das Fachunternehmen Wolfang Stolz aus Burgadelzhausen. Wolfgang Stolz hat den Betrieb mit heute zehn Mitarbeitern im Jahr 1996 gegründet. Mit traditionellen Techniken wie Kammzug oder Stuckarbeiten kennt er sich seit der Lehrzeit aus. Mit den Putzarbeiten im Haus D betraute er jedoch seinen Sohn Markus, der den Betrieb seit 2009 verstärkt. „Mich hat das interessiert, weil ich gestalterische Herausforderungen mag“, berichtet der gelernte Maurermeister und Betonbauer.

Mit Spezialwerkzeug vom Boden bis zum Dach gezogen
Nachdem die Fachhandwerker verschiedene Musterflächen angelegt hatten, entschieden sich Bauherr und Architekt für eine Profilierung von 10 x 10 mm. Da es auf dem Markt kein Standardwerkzeug gibt, um größere Flächen wie eine komplette Fassade zu ziehen, übernahm es Markus Stolz selbst, ein Werkzeug zu entwickeln. Öffentlich vorzeigen – Betriebsgeheimnis! – möchte er das Ergebnis nicht. Immerhin verrät er, dass er das Werkzeug beim nächsten Mal kürzer und damit handlicher anfertigen würde. Mit einer Richtlatte als Führung zogen Markus Stolz und Kollege Armin Bammer mit dem Spezialwerkzeug auf jeder Gebäudeseite pro Tag immer eine Bahn. Die vertikalen Bahnen wurden vom Boden bis zum Dachrand durchgezogen. Als ideales Material hierfür erwies sich der universelle, faserarmierte Klebe- und Armierungsmörtel Knauf SM700 Pro, der als Oberputz einschließlich Sockel ohne Materialwechsel an der kompletten Fassadenfläche eingesetzt werden kann. „Um Fehlstellen, Stöße und Ansätze auszuschließen, haben wir das Werkzeug über die einzelnen Gerüstlagen hinweg übergeben“, erklärt Markus Stolz. Erst nachdem der SM700 Pro über Nacht angezogen hatte, konnte die nächste Vertikalbahn angesetzt werden. Der letzte Zinken des Kamms diente dabei jeweils als Führung für das Werkzeug. Die Fläche an sich sei dabei jedoch weniger die Herausforderung gewesen als die vielen Details, erklärt Markus Stolz: „Die einzelnen Putzschichten waren so auszubilden, dass wir mit den Erhöhungen des Kamms überall, zum Beispiel an den Betonfensterbänken, genau bündig anschließen konnten. Zudem galt es noch Details wie die Leibungsausbildung oder revisionierbare Zugänge zu den außen liegenden Jalousiekästen zu lösen.“

Nach dem Aufziehen des Putzes auf der gesamten Fassadenfläche legten Markus Stolz und Armin Bammer noch Wert auf den Feinschliff der Kammstruktur. Anschließend erhielt die Fassade einen Anstrich mit Silikonharzfarbe in gebrochenem Weiß. Vom Ergebnis ihres Schaffens sind nicht nur Architekt und Handwerker überzeugt. „Nachdem sich die Bauherren vor der Entscheidung für den Kammputz einige Gebäude als Vorbild angesehen hatten, waren sie schließlich positiv überrascht über die sehr gleichmäßige Linienführung“, berichtet Markus Stolz.

Kniffliges Detail. Auch über die Aussparungen neben der Eingangstür hinweg führten die Handwerker die Kammstruktur ansatzlos weiter. | Foto: Knauf | Rainer Retzlaff Photographie
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